Lage des Flügels vor der Dichtung
Ein Flügel, der schief im Rahmen liegt, drückt eine neue Falzdichtung nicht gleichmäßig an. An einer Ecke entsteht dann ein fester Kontakt, während an der gegenüberliegenden Seite ein Spalt bleibt. Zugluft und Feuchtigkeit folgen genau dieser ungleichmäßigen Linie, auch wenn das Dichtungsprofil selbst intakt ist. Deshalb gehört die Lage des Flügels vor dem Abdichten zur Prüfung, nicht erst nach dem Einbau des Profils.
Vor dem ersten Drehen an einer Schraube sollte der geschlossene Flügel von innen betrachtet werden. Ein ruhiger Falzspalt, ein Schließen ohne Nachdrücken und ein Griff, der ohne Kraft in die Verschlussstellung geht, sind die ersten Hinweise auf eine brauchbare Anlage. Schleift der Flügel oder hängt er sichtbar schräg, verändert eine Dichtung nur das Symptom. Älteres Holz arbeitet mit Feuchte und Jahreszeit, daher bleibt eine spätere Kontrolle Teil der Einstellung.
Schrauben am Band und am Schließstück
Am Band sitzen bei vielen älteren Holzfenstern Schrauben, die den Flügel seitlich und in der Höhe führen. Eine seitliche Verstellung verschiebt den Flügel im Rahmen und kann den Spalt an der Bandseite öffnen oder schließen. Eine Höhenverstellung hebt oder senkt den Flügel, damit er nicht auf der unteren Kante aufliegt. Diese Schrauben ändern vor allem die Lage des Flügels und nur mittelbar den Druck auf die spätere Dichtung.
Der Anpressdruck entsteht eher am Schließstück und an den Schließzapfen. Liegen Langlöcher vor, lässt sich das Schließstück wenige Millimeter zum Rahmen hin oder vom Rahmen weg setzen. Näher am Rahmen zieht es den Flügel fester in den Falz, weiter weg entlastet es die Dichtung. Zapfen mit Exzenter lassen sich bei manchen Beschlägen drehen und verändern denselben Druck, ohne das Schließstück zu versetzen. Welcher Weg offen ist, zeigt nur der vorhandene Beschlag.
Die Richtung sollte in kleinen Schritten geändert werden. Eine Vierteldrehung oder eine Verschiebung um etwa einen Millimeter reicht als erster Versuch. Danach wird der Flügel geschlossen und der Spalt erneut angesehen. Wer mehrere Schrauben zugleich löst, verliert die Ausgangslage und kann den Flügel verkanten. Anschließend müssen die Schrauben wieder fest sitzen, damit sich die Einstellung im Alltag nicht von selbst löst.
Kontrolle nach jedem kleinen Schritt
Nach jeder Änderung gehört eine einfache Funktionsprobe dazu. Der Flügel soll ohne Schleifen schließen, der Griff soll den Verschluss vollständig erreichen, und ein Papierstreifen im Falz soll sich rundum mit ähnlichem Widerstand herausziehen lassen. Bleibt das Papier an einer Stelle lose, ist der Anpressdruck dort zu gering. Reißt es sofort oder lässt sich der Griff kaum bewegen, ist der Druck zu hoch und eine Dichtung würde gequetscht.
Erst wenn diese Probe an allen Seiten ähnlich ausfällt, lohnt das Einlegen oder Nachrüsten einer Falzdichtung. Eine Dichtung kann kleine Unebenheiten ausgleichen, aber keinen schiefen Flügel gerade ziehen. Zu starker Druck verkürzt die Nutzungsdauer des Profils und belastet Bänder und Getriebe. Zu schwacher Druck lässt die Zugluft bestehen, obwohl das Fenster neu abgedichtet wirkt. Für den Wärmeschutz zählt deshalb die gleichmäßige Anlage, nicht die dickste verfügbare Dichtung.
Grenze zwischen Selbsthilfe und Fachbetrieb
Eigenes Nachstellen ist sinnvoll, wenn der Beschlag vollständig ist, die Schrauben gängig sind und das Holz die Verschraubung noch trägt. Dann lassen sich Lage und Anpressdruck in kleinen Schritten aufeinander abstimmen, bevor eine Dichtung eingelegt wird. Die Ausgangslage sollte man sich merken, damit eine zu starke Korrektur wieder zurückgenommen werden kann.
Sobald Bänder ausgeschlagen sind, Schrauben im weichen Holz durchdrehen, der Flügel deutlich schief hängt oder der Griff den Verschluss nicht mehr erreicht, ist ein Fachbetrieb die bessere Wahl. Dasselbe gilt, wenn nach zwei vorsichtigen Korrekturen keine gleichmäßige Anlage entsteht. Ein Betrieb kann Beschläge nachstellen, einzelne Schließstücke erneuern und erkennen, ob der Rahmen selbst verzogen ist. So sitzt die Dichtung nicht auf einem Flügel, der sie ungleich belastet.